Bonyhád

Die Kultur in Bonyhád, die "Hauptstadt" des Talbodens , wurde durch die Geschichte der Stadt geprägt.
Hier lebten Ungarn, Deutsche, Juden, Sekler und sicher auch noch einige andere Minderheiten.
Ein kleiner Rundgang durch die Stadt soll Ihnen die Sehenswürdigkeiten nahebringen.
Kommend über die A6 fahren Sie über die Szent-János-Brücke, schon Mitte des 18. Jhs. führte hier der Weg entlang. Auf der Brücke steht die Statue de Hl. Johannes von Nepomuk, die sich verbeugt, wenn sie die Glocken hört (erzählt man den Kindern - aber sie hört sie nicht, sie ist aus Stein. Rechts danach wurde ein schönes Seklertor errichtet, das an den 50. jahrestag der Niederlassung der Sekler erinnert. Links dahinter der Bahnhof mit taurigen Erinnerungen an Deportation und Aussiedlung. Auch der Sportplatz, wo 1944 mit großen Feierlichkeiten der Geburtstag Adolf Hitlers begangen wurde.
An der Straßenbiegung steht das schöne Mühlenschloß, dass heute ein Kindergarten ist. Auf dem Weg in die Stadt passieren wir die Post, die zur Jahrhundertwende noch das Hotel Leyel war. Aus einem der Geschäfte kann man in den Ausstellungsraum des Feuerwehrmuseums gelangen (Széchenyi u. 3. Die Ausstellung "Auf Feuer und Wasser habt acht!" ist eine ständige Ausstellung des Landesfeuerwehrmuseums. Etwas entfernt von der Kirche steht das Pfarrhaus - im romantischen Stil erbaut. Eine Gedenktafel erinnert an den Schriftsteller Mihály Vörösmarty, der hier gerne in Gesellschaft des und Kaplans in diesem Haus verweilte. An der Ostseite des Platzes steht das, aus mehreren Gebäuden zusammengebaute sog. Alte Rathaus, dies war das Rinaldi Haus. 1919 war es der Sitz des Arbeiter-und-Bauern-Soldatenrates, 1945 des Nationalkomitees, 1956 des nationalen Revolutionsrats. Im südlichen Trakt finden wir in der Musikschule einen Gedenksaal an Oliver Horváth, in dem ausgewählte Bilder des Malers und Pädagogen, der jahrzehntelang in der Stadt wohnte, ausgestellt sind. Am nordöstlichen Ende des Platzes (Szabadság ter 2) steht das Honig-Haus. Im Hof wurde 1947 der berühmte Siedler Kongress abgehalten. In seinen 14 Räumen erwartet reiches geschichtlich-volkskundliches Material der "Schwaben", der Sekler aus der Bukowina, der Magyaren vom Talboden und der Juden von Bonyhad das Völgységi-Museum seine Gäste.
Der Platz weist an einer Stelle eine eigenartige Ausbuchtung auf, hier war früher de Bonyháder Markt. Gegenüber zweit die Szent-Imre-Gasse ab. Dort wo jetzt die Buchhandlung ist (Szent Imre u.1) stand die einfache aus Flechtwerk mit Lehmbewurf errichtete Kirche der ersten deutschen Siedler. Im gegenüber befindet sichdas Báránysche-Geschäft. Diese traditionsreiche jüdische Kaufmannsfamilie verwendete auch ireh Namen (ung. bárány = Lamm) zur Werbung, ihr Textilgeschäft war mit dem Bild eines Lamms geschmückt.
Von hier kommen wir zum Vörösmarty-Platz. Hier war der alte Holzmarkt. Der steht die alte Judenschule (Vörösmarty tér 1) und an der Ecke des Gässchens das kleine Gebäude des koscheren Schlachthauses. Von dort führt ein Gässchen zum alten jüdischen friedhof, wo wir das Grab des Rabbiners Wolf Boskowicz finden. Ziwschen die dachförmig zusammengefügten Steinplatten werden die Zettel mit den heimlichen Wünschen gesteckt. Hier ist auch eine Gedenkwand für die Opfer des Holocaust.
Vom Platz können wir zur Alt-Synagoge (Mártírok tere) abbiegen, die 1796 in Gebrauch genommen wurde. Ein wunderbares Baudenkmal, leider in vernachlässigtem Zustand. Die mächtigen Bögen der Decke werden in der Mitte von der Almemor-Säule getragen. Der Thora-Schrein ist leer. Eine Innenausstattung fehlt, das Gebäude wird als Getreidespeicher benutzt.
Wenn wir über die Jószef-Gasse zum Gymnasium hinaufgehen, in dem auch ein Schulmuseum eingerichtet ist, kommen wir am Kukola Haus vorbei, wo der Schriftsteller Gyula Illýes während seiner Schulzeit wohnte. Seine bekanntesten Werke werden inzwischen auf Deutsch bei Suhrkamp TB verlegt.
Kehren wir auf den Hauptplatz zurück und spazieren die Rákóczi-Gasse hinunter, kommen wir zum ÀFÈSZ-Warenhaus. Vor 1944 stand hier Davidovics-Kaufhaus, das aus der Sicht der Handelsgeschichte wichtig ist. (In der Kundenbedienung wurden auch Brieftauben eingesetzt, die Bestellung hat das Kaufhaus schnell erreicht, die Sendung konnte sofort zusammengestellt werden.) In der Rákóczi-Gasse finden wir in der Nr. 74 das Haus der Ungarndeutschen. Ein schönes Gebäude in der Rákóczi-Gasse ist noch das charakteristische Haus der beiden französischen Grafen, die als Emigranten hier lebten, außerdem war es ab 1893 das erste Gebetshaus der Baptisten. Bei der Einmündung der Rákóczi- und Dózsa-Gasse war einst die koschere Kneipe.
Etwas außerhalb befindet sich das Schloß jener Perczel-Familie, der das berühmte Bonyháder Emailwerk gehörte. In ihm ist eine Ausstellung aus dem Nachlass des Malers Vimos Bokor untergebracht. Der Park um das Schloss steht seit veilen Jahren unter Naturschutz, mehr als 40 wertvolle Baumarten sind in ihm vertreten.